SZ_07_2020

Seite 13 Städtli-Zytig 07/2020 Die Reussufer im Ausnahmezustand In der Zeit des Lockdowns habe es an allen Hotspots der Reuss unglaubliche Bilder gegeben, sagen Werkhofleiter David Nietlispach und Beat Zeier. Sie berichten über die Zeit, als alle Restau- rants geschlossen blieben. Wachtmeister Simon Mühlum schildert die Einsätze der Regionalpolizei, die auch mal mit dem Velo auf Patrouille fuhr. Verwüstungen gab es allein auf Stadtgebiet an einigen Stellen, an denen man am be- quemsten an die Reuss kommt oder jeweils am Samstag- und am Sonntagabend Trink- orgien feierte: Promenade, Pontonierdepot Isenlauf, Casinoparkplatz, Inseli Wällismühle, Hexenturm und Schmitteplätzli in der Reussgasse, vor und nach der Militärbrücke, an der berühmten «Bremgarter Welle», Heg- nau-Stierliweid hinter dem Waffenplatz, Grillstelle beim Parkplatz Hermannsturm und schliesslich am Coci-Strand in der wei- ten Innenkurve der Reuss bei der ARA-Brü- cke, wo zeitweise gegen hundert Badegäste feierten – und ihren Abfall liegenliessen. Wobei – das erstaunt – die Stadtreiniger durchaus gewisses Verständnis zeigen. Wo hätten sie ihre Freizeit denn verbringen sol- len, wo überall ein striktes Beizen- und Ver- anstaltungsverbot geherrscht habe? Dabei machen sie eine altkluge Feststellung: «Das waren die Jungen, die ticken halt anders und sehen das alles nicht so eng. Die Alten blie- ben zu Hause», sagt Beat Zeier trocken. «Es gibt die Unbelehrbaren und es gibt die Halb- wegs-Vernünftigen, die entsorgen wenigs- tens keine Flaschen direkt in der Reuss.» Was allerdings alles direkt von Booten «fällt», die sich in grosser Zahl von Bremgarten bis ins Gnadenthal treiben lassen, das wissen auch die Götter nicht. Eine gewisse Entlastung – zumindest bei Grills – brachte erst das strikte Feuerverbot. Neun-Stunden-Tag mit Maske und Handschuhen Die wüsten Folgen der Gelage vomWochen- ende zeigen sich amMontag, wenn Beat Zei- er zu seiner Güseltour startet. Mühsam seien das Maskentragen und die Plastikhandschu- he zum Selbstschutz halt schon, sagt er, und die Arbeitskleidung müsse er auch mehr- mals wechseln und waschen. Dafür kamen nach einem Montag dann schon vier Liefer- wagen voller Abfall zusammen, wobei die Mitarbeiter alles in Säcke abfüllen und PET, Glas und Alu separieren. Oft reichen die neun Stunden nicht. Regelmässig ist auch eine Sondergüseltour am Samstag nötig. Besonders auffällig ist die Wegwerfmentali- tät bei den Booten: Da bleibt dann an den Einsteigeorten Casinoparkplatz und Hexen- turm schon mal die Verpackung des neuen Bootes liegen und unten im Gnadenthal wird das Boot dann gleich ganz «entsorgt». Ein taugliches «Volumen-Messgerät» steht auf dem Areal Werkhof beim Hermanns- turm: ein 20m3 fassender Presscontainer, nicht öffentlich zugänglich. Normalerweise wird er in fünf bis sechs Wochen gefüllt, in Coronazeiten in der Hälfte der Zeit. Die Ar- mee stellt auf dem Holzlagerplatz vor der Militärbrücke ausserdem zwei 800-Li- ter-Container bereit. Die Repol fährt Fahrrad Für den Ansturm der Lockdown-Geplagten an Seen und Flüssen hat auch Simon Müh- lum von der Regionalpolizei Verständnis, nicht aber für die Auswüchse. Mit regelmäs- siger Präsenz an den neuralgischen Prob- lemstellen setzt die Repol nicht nur die Zu- fahrtsbeschränkungen konsequent durch und büsst ab dem ersten Mal das wilde Par- kieren an Strassenrändern, in den Wäldern und auch mal für ein Zusperren privater Parkhauseinfahrten. Die Polizisten machen auch freundlich auf Abstände aufmerksam, mahnen bezüglich Littering und raten den Feiernden zu weniger Lärm. Konsequenter- weise fahren sie zu jenen Stellen, an welchen die «Gäste» auch zu Fuss müssen, mit dem Fahrrad. Zu den frühmorgendlichen Lärmklagen hat Mühlum ein spezielles Beispiel: «Früh­ morgens ab sechs Uhr blasen die Böötler mit ihren mitgebrachten Mini-Kompressoren ungeniert die eben ausgepackten Boote auf!» --hr Ab Mitte August wars auf dem Coci-Strand in Bremgarten wieder deutlich gemütlicher als im Lockdown und in den Schulferien. Bild: Hans Rechsteiner Hegnau-Stierliweid: Stammkunden an der Reuss nehmen ihren Abfall zwar nicht nach Hause, aber sie tragen ihn zum Robidog-Behälter an der Strasse – immerhin.

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