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Seite 5 Städtli-Zytig 04/2019 Diese Monats-Kolumne wurde gesponsert vom Einkaufscenter Sunnemärt, Bremgarten L etzten Sonntag meditierte ich mit Farbe und Pinsel vor einer Staffelei, als es klopf- te. Vor der Tür stand ein Trio aus Vater, Mutter und einem ungefähr neun Jahre alten Jungen. Die Eltern wirkten verlegen, der Junge, indes, grinste. Höflich begrüsste mich das Familien- oberhaupt, während sie meinte, ihr Sohn habe mich unbedingt persönlich kennenlernen wol- len. Sie schubste dabei den Sprössling verle- gen in den Vordergrund. Schüler hätten sich, so erklärte sie mir, in der Pause über den Spit- telturm und dessen Glöckner unterhalten, wor- aufhin der Knabe unermüdlich bei seinen El- tern zu einem Besuch gedrängt habe. Die Eltern glaubten, ich wäre nicht real, weshalb sie den Vorstoss wagten, an meine Tür zu klopfen. D a mir Abwimmeln als unhöflich erschien, lud ich die Familie auf eine kurze Besich- tigungstour ein. Der Junge rannte daraufhin den Turm hinauf, ohne den erzieherischen Worten seiner Eltern Beachtung zu schenken. Freudig kommentierte er meine Wände, Ge- mälde und Fenster mit einsilbigen «Wows» und «Ohs». A uf der dritten Ebene holte ich den Jungen ein. Er stand mit grossen Augen vor dem Plexiglas-Kubus, worin sich die Mechanik der Turmuhren befindet. Hypnotisiert betrachtete er das Pendel und während seine Eltern nach Atem ringend die Treppe emporkamen, fragte er mich fasziniert: «Wird hier die Zeit herge- stellt?» D er Vater, der mir dicht gefolgt war, lachte auf und meinte: «Nein, Jonas, hier wird…» und ehe er eine Erklärung von sich geben konnte, beendete ich seinen Satz: «… der Sinn des Lebens hergestellt!» Unsere Bli- cke trafen sich. Ich war überzeugt, Herr Papa falle rücklings die Treppe herunter. «Der Sinn des Lebens?», hauchte Jonas ehrfurchtsvoll, der Blick war gebannt auf das Pendel gerichtet. «Wie macht er das?» I ch zog einen Stuhl heran, setzte mich und fragte: «Was ist das Wichtigste auf der Welt?» Noch immer in hypnotischer Konzentration, sagte er: «Mein Handy!» «Wirklich?», fragte ich und beantwortete meine Frage. «Nein, das Wichtigste zum Leben ist Luft. Obschon wir keine drei Minuten ohne Puste überstehen, at- men wir stets aus. Wir lassen das Kostbarste gleichgütig los, im Wissen, wieder einatmen zu können. Wie das Pendel ist das Leben im Fluss. Wenn wir uns an etwas festklammern, werden wir es verlieren. Würden wir die Luft anhalten, so müssten wir ersticken. Wir können uns nicht am Pendel festhalten, um uns an die Zeit zu klammern. Jede Zelle unseres Körpers ist in Be- wegung. Würden sie gestoppt, müssten sie ster- ben. Das gilt für alles im Leben: Lieben wir ohne zu klammern, so hat die Liebe Existenz. Sie kann gedeihen. Halten wir sie fest, verlieren wir das Geliebte.» «Das ist Humbug», meinte der Patron, «der Sinn des Lebens hat nichts mit dem Schwung eines Pendels zu tun. Ein Me- dium ist in seiner Mitte. Er ist perfekt!» M it einem Lächeln schaute ich zu Jonas’ Versorger. «Wer sagt, ein Medium ist nicht in harmonischem Schwung?» Ich zeigte auf das Pendel. «Wenn man die gesamte Be- wegung betrachtet, so ist der Durchschnitt stets die Mitte. Nennen wir den einen Endpunkt ‹ Yin › , den anderen ‹ Yang › oder ‚ ‹ schwarz/ weiss › , ‹ gut/böse › , ‹ Glück/Pech › , ‹ säen/ern- ten › , ‹ Berg/Tal › , ganz egal.» Nun zeigte ich auf einen der Endpunkte: «Ist man Optimist, so betrachtet man das eine Extrem, welches als gut erachtet wird. Dem Schwung, den es im Negativen holt, wird kaum Beachtung gemes- sen, da es die Kraft holt, um beim nächsten Schwung wieder ganz nach oben zu gelan- gen.» Jetzt zeigte ich auf das entgegengesetzte Ende der Schwingung. «Hierhin blickt der Pes- simist. Gleiches Prinzip, umgekehrter Vor- gang. Der Realist, hingegen, blickt auf die Mitte und sieht die Bewegung von beiden Sei- ten kommen. Alle haben Recht und doch kei- ner, denn der Sinn liegt im Wandel. Wir alle sind nachher, wenn ihr gegangen seid, nicht mehr die gleichen Personen wie vorher, als ihr an meine Tür geklopft habt!» D er Besuch dauerte länger. Viel länger. Zu lange für diese Kolumne. Endlich schaffte ich den Weg zurück zur Leinwand. Während ich das bunte Acryl auf den Stoff auftrug, frag- te ich mich, ob mir mein Eremitendasein den Sinn zur Realität geraubt hatte. Ich schüttelte verneinend den Kopf und entschwand in die Tiefe des Malens. Pfingstmontag, 10. Juni 2019 Grosser Markt mit Lunapark 8 bis 18 Uhr – Warenmarkt: Oberstadt, Unterstadt, Casino, Isenlaufparkplatz – Ponyreiten und Kleintierpark beim Fussgängersteg Isenlauf – Lunapark beim Casino: Pfingstsonntag ab 13 Uhr geöffnet – Günstige Bus- und Bahnverbindungen – Parkplätze sind signalisiert Freundliche Einladung Stadt Bremgarten Den Markt und das Städtchen besuchen, lohnt sich immer und in jedem Fall. Marktort seit über 800 Jahren

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