SZ_01_2020

Seite 5 Städtli-Zytig 01/2020 Diese Monats-Kolumne wurde gesponsert vom Einkaufscenter Sunnemärt, Bremgarten W ährend sich die einen freuderfüllt in die Kostü- me stürzen, um der 5. Jahreszeit zu frönen, endlich mal die Sau rauszulassen, ausgefallen zu tanzen, singen, schmusen, lachen und sich zu be- saufen, sitze ich in Gedanken versunken in meinem Turmzimmer. Fragen füllen meinen Kopf. Warum ist der «Schmutzige Donnerstag» schmutzig? Kommt die Fasnacht von fast Nacht, der Nacht, wobei ein Fass angestochen wird, oder trägt der Fasan Schuld an ihrem Namen? Wieso wirft man bei Konfetti kein Konfekt, sondern buntes Papier, welches aus dem Locher stammt? Und dann der Aschermittwoch: Ich habe an diesem Tag noch keinen Bezug zum Ascher, also dem Aschenbecher herstellen können. F ragen über Fragen, die meine schlauen Bücher in der Bibliothek nicht beantworten. Ich will mir Klarheit verschaffen und habe Glück, denn soeben kommt jemand zu Besuch, der darüber Bescheid wissen muss. Dieser Mann ist nicht nur stadtbe- kannt, Polizist, Stadtführer, Organisator von Reuss- Food-Festivals und der Bringer des Donnerstag-Jasses zu uns, nach Bremgarten, er ist auch ein Gründungsmitglied der Sädelgeischter und war da- bei jahrelanger Dirigent. Wenn also einer Bescheid weiss, dann er. T rox führt just in diesen Grübel-Frust-Minuten sei- ne Stadtführung in meinen Räumen durch und so war es ein leichtes, ihn mit Fragen zu überrumpeln. Obschon seine Gäste vieles von unserer Stadtge- schichte wissen wollen, hat er ein offenes Ohr für meine Fragen. Seine Besucher werden heute wohl nichts von Reformator Bullinger erfahren oder wes- halb der Name Spittelturm von «Spital» abgeleitet wurde, dafür werden sie Zeuge der Geschichte des Karnevals. Natürlich will ich Ihnen, liebe Leser, die- se Informationen nicht vorenthalten. D er Begriff «Fasnacht» kommt von Fastnacht, also der Nacht, bevor der Katholik für sechs Wochen zu fasten beginnt. Das Wort «Fasching» stammt aus «Fastenschank», also das Ausschenken, bevor ge- fastet wird. Man liess sich vor dem Hungern noch- mals so richtig gehen, jedoch nicht, um die magere Zeit besser zu überstehen, sondern weil es früher keine Kühlschränke gab und es deshalb schwierig war, Lebensmittel haltbar zu machen, also wurden sie vor der Fastenzeit kurzum aufgefuttert. Klingt plausibel. D ie bunten Kostüme und Masken sowie die Rät- schen, womit man möglichst viel Lärm macht, sind ein Brauch, der über 5000 Jahre zurückreicht. Damit soll nämlich der Winter ausgetrieben werden. Es ist ein Kampf von gut gegen böse, Tag gegen Nacht, warm gegen kalt sowie arm gegen reich. In dieser Zeit haben Sklaven kein Getreide gemahlen, da sie der Oberschicht gleichgestellt wurden. Gleichberechtigung aus ältester Zeit, sozusagen. D er Begriff «Karneval», der aus dem lateini- schen «Carne levare» stammt, findet seinen Ursprung wiederum in der Kirche, denn es bedeu- tet «Fleisch wegnehmen», was die bevorstehende Fastenzeit wiederum anspricht. Lange Zeit glaubte man, die Bedeutung komme vom näher gelege- nen «Carne vale». Diese Interpretation ist eine scherzhafte Version von «Fleisch, lebe wohl!». Veganer unserer Zeit werden dies bestimmt zu schätzen wissen. W enn wir schon beim Latein sind, der Begriff «Konfetti» ist tatsächlich das italienische Wort für Naschwerk. Schon vor der Spittelturm-Clique und ihrem «Hego-Naro» haben die Italiener Konfekt verteilt. Wir verschenken und geniessen hierzulan- de statt Pralinés lieber Fasnachts-Chüechli. Hätten Sie erahnt, dass sich diese knusprigen Teigplatten sowie die Berliner und Zigerkrapfen für den Namen «Schmutzige Dunnschtig» verantwortlich zeigen? Das Wort «Schmutz» wurde von «Schmotz», dem alten Begriff für «Schmalz», übernommen. Da Fleisch, Eier und Schmalze nicht haltbar waren, wur- den sie aufgebraucht, also backte man so einige Küchlein im Schmalz aus. Diese wurden am ersten Fasnachtstag ausgegeben und der Tag bekam sei- nen Namen: «Schmalz-Donnerstag». J etzt muss mein Pauker aber weiter und lässt mich zufrieden zurück. Endlich habe ich Antworten auf meine brennendsten Fragen zur 5. Jahreszeit erhal- ten und so werde auch ich freudig am Samstag, 22.2.2020, in den Genuss von Hexen, Rittern und Königen kommen. Ich kann mich nur noch nicht entscheiden: Gehe ich dafür an den «Rüssknaller- ball» oder an die Premiere von Macbeth im Keller- theater Bremgarten? Wir werden sehen. Sommer und Winter www.turren.ch

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