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Seite 54 Städtli-Zytig 10/2018 Jedes Jahr stellt die Forstgemeinschaft Wagenrain 12 000 Christbäume bereit Das Freiamt ist ein Christbaumland Christbäume sind zum Zeitpunkt ihrer Ernte seit sechs bis zehn Jahren intensiv gehegt, gepflegt und zugeschnitten wor- den. Zu ihren Füssen wurde das Gras niedrig gehalten. Sie mussten Stürme erdulden und lange Trockenzeiten über- leben. Und dann steht ein solcher, herz- lich geschmückt mit Kerzen und Kugeln, in Ihrer Wohnung. Freuen Sie sich an sei- ner Schönheit. Christbäume sind – nüchtern betrachtet – kein gutes Geschäft, zumindest nicht für die Forstleute. Und trotzdem haben sie Freude daran, denn Christbäume sind eine echte Herausforderung. Und jedes Försters kleiner Stolz. Stecken wir zuerst den Rahmen ab: In der Schweiz werden jedes Jahr um die 1,2 Millionen Christbäume abgesetzt, etwa die Hälfte ist Importware und wuchs in Däne- mark und Deutschland, die Plastikbäume kommen aus China. Dänemark und Deutsch- land haben es in den letzten Jahren mit den angepflanzten Mengen übertrieben, zu viel produziert – «also haben sie jetzt auch zu viele verdorrte», kommentiert ein Insider sarkastisch trocken die aktuelle Situation. Demgegenüber hat «die Schweiz» das Prob- lem, dass man die benötigten Landflächen nicht bekommt, auf denen nur Christbäume wachsen sollen. Denn auf Waldeshöhe dür- fen sie nicht wachsen, weil sie dann offiziell zu «Wald» würden, im Wald selber geht es auch nicht, nur im Landwirtschaftsgebiet, und unter Autobahnbrücken oder Hoch- spannungsleitungen sind sie auch nicht mehr erwünscht – der Bürokratie sei Dank. Fazit: Christbäume aus der Schweiz hat es zu wenig, also sind sie stark nachgefragt. Christbaumland Freiamt Das Mittelland – und damit selbstverständ- lich auch das Freiamt – ist ein Paradies für Mischwälder, und damit für Christbäume. Wie viele hier gezogen werden, ist unmög- lich herauszufinden. Die Strukturen sind unübersichtlich, weil auch nicht statistisch erfasst. Jeder Forstbetrieb stellt jährlich für seine Kundschaft im eigenen Dorf Christ- bäume bereit, da und dort haben die Orts- bürger sogar einen gratis zugut, ansonsten gibt es vor allem Kleinkulturen, die von pri- vaten Produzenten gepflegt werden, meist als Nebenverdienst in der Landwirtschaft. Einer der grösseren Christbaumproduzen- ten im Freiamt ist die Forstgemeinschaft Wagenrain – das ist die mit der lustigen Ad- resse: «am Waldrand», 5620 Bremgarten. Am 1. Januar 1997 taten sich die Forstbetriebe Bremgarten (443 ha), Wohlen (225 ha) und Waltenschwil (56 ha) zusammen, im Jahr 2009 kamen die Ortsbürgerwälder von Dot- tikon (58 ha) und Hägglingen (188 ha) dazu. Der derart erweiterte Forstbetrieb Wagen- rain – Betriebsaufnahme: 1. Januar 2014 – hilft auch noch, in den fünf Gemeinden 358 Hektaren Privatwald oder Flächen anderer Waldbesitzer zu pflegen und zu nutzen. Chef über den beachtlich grossen Betrieb mit sechs Forstwarten und zwei Lehrlingen ist Revierförster Leonz Küng – und damit auch Herr über die etwa 18 verstreut, oft im Übergangsgebiet Wald/Landwirtschaft oder unter Hochspannungsleitungen, ange- pflanzten Christbaumkulturen. Die Forstgemeinschaft Wagenrain stellt je- den Herbst mindestens 12 000 Christbäume bereit. Das sei die im Idealfall mögliche Men- ge, sagt Leonz Küng, denn immerhin laufe nebenher ja auch der normale Forstbetrieb. Abgesetzt wird der Grossteil der «Bremgar- ter» Christbäume in der weiteren Region über Coop Schweiz und Migros Aare, andere Forstbetriebe kaufen hier ein und Wieder- verkäufer wie sogar die Strafanstalt Saxerriet in der Ostschweiz. Doch Bremgarten hat Ein stolzer Leonz Küng inmitten seines Reichs. Die Bändeli für «Schweizer Bäume» hat er selbst entworfen.

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