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Seite 55 Städtli-Zytig 10/2018 noch eine Überraschung bereit: Man ist spezialisiert auf grössere Christbäume, heisst fünf bis zwölf Meter hohe. Die liefert man nicht nur für den «Christchindlimärt» in Bremgarten, sie sind ebenso gefragt an den entsprechenden Märkten in Lugano und Bellinzona – im Gegenzug bringen die Lastwagen dann Steine aus dem Tessin ins Freiamt. Leonz Küng pflegt diese Kontakte übrigens als Koordinator der Interessenge­ meinschaft Christbäume Schweiz. Christbäume erleben schwierige Zeiten Was machen denn eigentlich die Wetter­ kapriolen der letzten Jahre mit den Christ­ bäumen? Die Frage drängt sich auf. Der Förster kann sie detailliert beantworten. Wobei wir die bösen Stürme, die den gros­ sen Wald trafen, mal ausser Acht lassen. Im Frühling 2017 haben leichte Spätfröste in den Christbaumkulturen etwas Schaden angerichtet, dennoch hat die Region Glück gehabt, weil Nebelfeuchte an den Trieben gefror und sie so schützte. Man kennt das von den Reben. Man könnte auch bewusst bewässern – sogenannte Frostberegnung – doch wie soll man Wasser in die fernen Christbaumkulturen heranführen. Um die «Eisheiligen» herum, ausgerechnet als die Christbäume austrieben, gab es nochmals Frost. Wenn das passiert, dorren die frischen Triebe ab, man muss die Bäumchen auf­ wendig frisch zuschneiden. Wenn es zwei- oder dreimal passiert, sterben sie ab. Totalschaden. Es gibt dagegen nur eine Vor­ sorgemassnahme: Man pflanzt neue Christ­ bäume nicht gleich in eine Frostmulde. Nordmanntannen – die kaukasische Weiss­ tanne – sind am nadelstabilsten, weiss der Fachmann. Dagegen ist unsere Weisstanne sehr frostempfindlich. Rottannen (unsere Fichten) sind da pflegeleichter. 2018 – ein verrücktes Christbaumjahr Vom jungen Christbaum aus gesehen war dieses Jahr etwas speziell. Man konnte es an den im April frisch gepflanzten Bäumchen am besten ablesen. Sie haben sehr gut aus­ geschlagen. Und sind gegen Herbst zu 30 Prozent verdorrt. Ähnlich sind die Schäden in älteren Christbaumkulturen und allge­ mein im Wald, wo zusätzlich noch der Bor­ kenkäfer furchtbar zuschlug – man muss die geschädigten Bäume zwangsnutzen, heuer bis zur Hälfte eines jährlichen Hiebsatzes, rund 10000 Kubikmeter. Weil die Bäume jetzt praktisch kein Wasser ziehen können – sogar die Grundwasserspiegel sind bedroh­ lich tief – macht man sich grosse Sorgen um alle Pflanzen. Die Winter sind auch nicht mehr sehr niederschlagreich. Der Förster hofft sehr darauf, «dass es wieder einmal einen Winter mit anständigem Frost gibt». Tipps vom Fachmann «Die erntereifen Christbäume sehen heuer aber gut aus», sagt der Förster. Er hofft nun einfach, dass die Nadelhaltigkeit trotzdem so gut ist wie sonst. Womit wir nun bei sei­ nen guten Tipps wären. 1. Kaufen Sie einen schönen Schweizer Christbaum direkt beim Produzenten. 2. Eine Woche sollte der Christbaum «ver­ dauen» können, nachdem er geschnitten worden ist. 3. Man sollte ihn draussen in der Natur la­ gern, auf dem Balkon geht auch. 4. Am besten stellt man ihn in einen Ständer mit Wasserbehälter. Schliesslich: den Christbaum zwei Tage vor dem Aufstellen «inenäh». Dann wird er am Anfang viel Wasser schöpfen, etwa nach einer Woche hört er auf zu trinken. Und dann haben Sie doch einfach Ihre Freude daran. --rts In Netzen verpackt sind die Christbäume bereit zur Auslieferung.

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