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St%u00e4dtli-Zytig 01/2026 Seite 11Das R%u00fcckgrat der Schweizer Katastrophenhilfe funktioniert ab dem Waffenplatz Bremgarten Wenn die Rettungskette Schweiz f%u00fcr einen internationalen Katastrophen-Hilfseinsatz alarmiert wird, geht in einem perfekt organisierten, einge%u00fcbten, effizienten und hochprofessionellen Zusammenspiel ab Bremgarten die Post ab. Dahinter steht das KatastrophenhilfeBereitschaftsbataillon. Dessen Kommandant S%u00e9bastien Neuhaus ist ein Uno-zertifizierter anerkannter Rettungsspezialist.Zuerst ist das Katastrophenhilfe-Bereitschaftsbataillon zu beschreiben. Auf dem Genie-Waffenplatz Bremgarten sind st%u00e4ndig 190 bis 250 Leute stationiert. Sie absolvieren als %u00abDurchdiener%u00bb im Lehrverband Genie+Rettung ihren vorgeschriebenen Milit%u00e4rdienst von 300 Tagen am St%u00fcck. Und bewegen ein unglaubliches Arsenal an Geniematerial, unter anderem 173 Fahrzeuge und Anh%u00e4nger, schwerste Baumaschinen und Pionierger%u00e4te f%u00fcr Erdbeben-Tr%u00fcmmersituationen, Grosskr%u00e4ne bis 90 Tonnen. %u00abWassermaterial%u00bb: Tauchpumpen bei %u00dcberschwemmungen schaffen 40000 Liter Leistung in einer Minute. Grossund Waldbr%u00e4nde: Wassertransporte %u00fcber viele Kilometer Distanz. Ein einziger Beleuchtungsmast von zw%u00f6lf Metern H%u00f6he leuchtet ein ganzes Fussballfeld taghell aus. Je nach Einsatzproblematik (%u00dcberschwemmungen) werden Milit%u00e4rboote (Blatten) oder L%u00f6schhelikopter im Inland und in ganz Europa eingesetzt. Weitere Fachkr%u00e4fte sind die Armeetaucher, ebenfalls mit Standort Bremgarten. Die Bergrettungsspezialisten %u00fcben ihre %u00abRettungen aus schwierigem Gel%u00e4nde%u00bb im Pflanzerbachtobel unten in Eggenwil.Erdbeben T%u00fcrkei, Februar 2023 %u2013 der AblaufOberst S%u00e9bastien Neuhaus wird um 5.30 Uhr aus dem Schlaf gerissen und l%u00f6st intern erste Informationen aus. 7 Uhr: Orientierung auf dem Waffenplatz. Zwanzig Freiwillige melden sich zum Auslandeinsatz bereit. Sie packen unter anderem pers%u00f6nliche Verpflegung f%u00fcr 48 Stunden ein. Um 10 Uhr wird der Einsatz best%u00e4tigt. Dislokation nach Flughafen Kloten, Rega-Center. 17 Uhr: Das Vorausteam mit Profis der Armee und Spezialisten des EDA (Aussendepartement) f%u00fcr humanit%u00e4re Hilfe fliegt ab. Die Rettungskette Schweiz (unter ihnen %u00abRedog%u00bb mit acht Hundeteams) organisiert sich %u2013 103 Einsatzkr%u00e4fte. Medizincheck f%u00fcr alle. %u00abDie Bremgarter%u00bb haben die zentrale Logistikaufgabe: Sie beladen den Swiss-Flieger mit 108%u00a0 Tonnen Material, schweres Ger%u00e4t, unz%u00e4hlige Paletten, darunter f%u00fcr sich autonome Infrastruktur f%u00fcr das eigene Camp aus Zelten f%u00fcr 100 Mann, Verpflegung f%u00fcr zehn Tage.Einsatzbriefing: st%u00e4ndige Informationen %u00fcber das Land, das zu erwartende Einsatzgebiet, die voraussichtliche Schadenlage dort. Wo ist der n%u00e4chste Flughafen? Intensiver Kontakt mit der Botschaft in der T%u00fcrkei. 21 Uhr: Abflug nach Adana.Organisation und Koordination vor Ort: Hundert internationalen Rettungsteams werden ihre Einsatzsektoren zugewiesen. Die Schweizer organisieren auf Platz Benzin, Wasser und die Transporte ins Schadengebiet. Baumaschinen sollen lokal gestellt werden.Rettungseins%u00e4tze ununterbrochenw%u00e4hrend 7x24 StundenEinsatzleiter S%u00e9bastien Neuhaus wurde zum Gesicht des Schweizer T%u00fcrkei-Einsatzes, jeden Abend in der Tagesschau. Professionell, klar, kurz, informativ.Und so schildert er heute den belastenden, sehr schwierigen Einsatz. N%u00fcchtern waren im f%u00fcrchterlichen Tr%u00fcmmerfeld die eigenen M%u00f6glichkeiten zu analysieren, eine Risikoanalyse vorzunehmen und eine Triage auf %u00ablohnende%u00bb Einsatzziele. Neuhaus schildert das Beispiel: %u00abDa war ein in sich zusammengefallenes Betonhochhaus, wir h%u00f6rten die Schreie der Versch%u00fctteten. Doch daneben und teils dar%u00fcber stand schr%u00e4g ein noch gr%u00f6sseres Geb%u00e4ude, das in den sieben Nachbeben, die passierten, h%u00e4tte zusammenst%u00fcrzen k%u00f6nnen. Wir durften uns der Gefahr zur eigenen Sicherheit nicht selbst aussetzen, konnten also nicht eingreifen.%u00bbDann geschah ein herzersch%u00fctterndes WunderNach unglaublichen 96 Stunden bargen die Schweizer das M%u00e4dchen Gizema, einen S%u00e4ugling, der bei Temperaturen bis minus 13 Grad %u00fcberlebte. Seine Mutter, schwer verletzt, selbst gerettet, heute h%u00fcftabw%u00e4rts gel%u00e4hmt, hatte es gestillt und am Leben erhalten. Da sind Tr%u00e4nen geflossen. Kein Arzt kann sich das Wunder erkl%u00e4ren. S%u00e9bastien Neuhaus zeigt mir in seinem B%u00fcro in der Kaserne Bremgarten das Video der fr%u00f6hlich singenden und tanzenden Gizema, die ihren dritten Geburtstag feiert. Da kommen auch mir die Tr%u00e4nen. --hrKdt Katastrophenhilfe Bereitschaftsbataillon S%u00e9bastien Neuhaus (46) ist in Lausanne aufgewachsen, verheiratet, drei T%u00f6chter, wohnt in Bern. Erstberuf: Elektromechaniker. Milit%u00e4rakademie Waffenplatz Reppischtal. Fr%u00fchere Milizfunktion: Kdt Genie Bat 2. Aktuelle Milizfunktion: Chef Kantonale Territorial-Verbindung des Kantons Bern zur Territorial-Division 1. Seit 1. Juli 2022 Kdt Katastrophenhilfe Bereitschaftsbataillon.Bild: Hans RechsteinerErdbeben in der T%u00fcrkei, Februar 2023. Dieses Katastrophenhilfeteam aus Bremgarten hat den S%u00e4ugling Gizema gerettet, nach 96 Stunden in Temperaturen bis minus 13 Grad. Bild: Kata Hi

